Download des Impulspapiers "Aus Ahrtal wird SolAHRtal"

 

Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal und angrenzenden Regionen ist auch deren Energieinfrastruktur stark getroffen. Angesichts dieser drastischen Auswirkungen der weltweiten Klimakatastrophe fordern Wissenschaftler aus der Region, dass die Energieinfrastruktur nur noch mit Erneuerbaren Energien aufgebaut werden soll. Diese Forderung wird von mehr als zwanzig bundesweiten gemeinnützigen Umwelt-, Klima- und Erneuerbare-Energien-Organisationen unterstützt. In ihrem Impulspapier legen die Wissenschaftler detailliert dar, welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Zum Wohle der Einwohner und Flutkatastrophen-Opfer im Ahrtal sollte die Landesregierung ihren selbst gesetzten Klimaschutzzielen sofortige wirkungsvolle Taten folgen lassen.

 

Die Wissenschaftler legen dar, dass eine konsequente Ausrichtung des Wiederaufbaus mit 100% Erneuerbaren Energien einen langfristigen Nutzen für den Kreis Ahrweiler hat. Wichtig sei eine Beteiligung der Bevölkerung und dass die Maßnahmen im Dialog mit den Menschen vor Ort erfolgen. 

 

Das Ziel 100% Erneuerbare Energien könnte bilanziell schon bis 2027 erreicht werden.

Zudem bleibt auch nach Erreichen der 100% ein weiterer Ausbau Erneuerbarer Energien im Landkreis sinnvoll, weil der Bundesschnitt des Elektrizitätsbedarfs im Jahr 2030 (umgelegt auf den Kreis Ahrweiler) höher ist als der Verbrauch im Kreis Ahrweiler.

 

 

Sektor Strom

Dazu erscheint der Ausbau auf ca. 400 MWp Photovoltaik und 170 - 180 MW Windkraft notwendig. Diese Abschätzung enthält bereits die Versorgung des Wärme- und Mobilitätssektors mit erneuerbaren Energien. Dann müsste pro Jahr ein Zubau von ca. 70 MWp Photovoltaik realisiert werden. Dazu ist beispielsweise ein jährlicher Photovoltaik-Zubau auf 35 ha Freiflächen (entspricht modellhaft 35 MWp) und 30 – 40 MWp auf Dachflächen notwendig.

Der seit Jahren im Landkreis Ahrweiler ins Stocken geratene Zubau von Windanlagen könnte bereits im nächsten Jahr fortgesetzt werden. Der Kreistag hatte die über viele Jahre andauernden Genehmigungsverfahren für Windkraftanlagen vor rund 2 Jahren gerügt und um Beschleunigung der Verfahren gebeten. Ab demJahr 2023 sollten weitere sechs Anlagen (25 MW) hinzukommen, da für die Windkraft aufgrund zeitaufwändiger Planungsprozesse anfänglich mit Verzögerungen zu rechnen ist. Ab 2024 wird dann ein Zubau von etwa zehn Windkraft-Anlagen jährlich (40 MW) veranschlagt.

 

Energiespeicherung

Um mittelfristig eine kontinuierliche Stromversorgung zu gewährleisten, ist der Ausbau entsprechender Speicherkapazitäten und flexibler Erzeuger und Lasten bis 2030 nötig.

 

Sektor Wärmeversorgung

Die Autoren weisen insbesondere darauf hin, dass es auch bei der Wärmeversorgung keinen Grund gibt, der sofortigem Handeln belastbar entgegensteht. Daher sollten fossile Heizungen, die mit Erdgas und Erdöl betrieben werden, vollständig durch alternative Technologien ersetzt werden. Nicht nur übergangsweise können Wärmepumpen, ggf. ergänzt durch Solarthermie, genutzt werden. Biomasse hingegen ist ein knapper Rohstoff. Daher sollte sie möglichst nur in Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt werden und aus nachhaltiger und lokaler Erzeugung stammen.[1] [2]

 

Sektor Mobilität

Für eine klimagerechte Mobilität soll zum einen der öffentliche Nahverkehr in der Region ausgebaut werden und neue Modelle erprobt werden. Für den individuellen Verkehr wird auf Elektromobilität gesetzt. Dazu soll eine entsprechende Ladeinfrastruktur mit öffentlichen und privaten Ladepunkten geplant und realisiert werden.

 

Stromnetze

Insbesondere die Stromnetze müssen für die zukünftigen Aufgaben gerüstet werden, denn die Wärmeversorgung und die Elektromobilität kommen zu den bestehenden Verbrauchern (Sektor Strom) hinzu. Der Kreis und die Kommunen haben die wichtige Aufgabe der Planung von Flächen für Wind- und Solaranlagen, von Wärmenetzen und einer neuen klimagerechten Verkehrsinfrastruktur. Der Beteiligung der betroffenen Bürger kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Die Region des Ahrtals könnte so als Modellregion bundesweit ein Vorbild für die Energiewende werden.

 

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[1]     Diese Auffassung wird unterstützt durch den am Runden Tisch Erneuerbare Energien (RT-EE, www.energiewende-2030.de) vertretenen Landesverband Erneuerbare Energie Rheinland-Pfalz/Saarland (LEE RLP/SL)  gemeinsam mit dem Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) hin, siehe dazu „Keine Öl- und Gasheizungen mehr für Hochwassergebiete“, https://www.immittelstand.de/2021/09/13/keine-oel-und-gasheizungen-mehr-fuer-hochwassergebiete/). Die beiden Erneuerbare-Verbände plädieren dafür, dass in den betroffenen Regionen Wärmepumpen oder dezentrale Nahwärmekonzepte auf der Basis Erneuerbarer Energien und Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zum Einsatz kommen.

[2]     Hingegen veröffentlichte die Rhein-Zeitung unkritisch, dass sich die Staatssekretäre Frau Steingaß und Herr Dr. Manz gemeinsam mit Herrn Josef Rönz, Vorsitzender der Energieversorgung Mittelrhein (EVM), über die hohe Geschwindigkeit bei der Wiederherstellung des fossilen Erdgasnetzes freuen. Wir erachten dieses Verhalten von Regierungsvertretern, einem Großunternehmen und der Presse als zynisch gegenüber (traumatisierten) Flutkatastrophen-Opfern. Denn Förderung, Transport und Verbrennung von Erdgas beschleunigt wegen des Klima schädigenden Ausstoßes von Methan die katastrophal wirkende Erderwärmung schneller im Vergleich mit dem Prozess bei der Kohleverstromung.