Einer der weltweit größten Wechselrichterhersteller SMA kündigte in seiner Pressemitteilung vom 19.9.2011 eine Gewinnkorrektur nach unten, sowie die Entlassung von 1000 Mitarbeitern an. Bereits Ende 2010 hatte es Entlassungen gegeben. Was ist passiert?

SMA produziert weltweit Zentralwechselrichter für große Photovoltaikanlagen und Wechselrichter für Aufdachanlagen von Gebäuden. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben erwartet, dass nach einer relativ schwachen Auftragslage für Wechselrichter im ersten Halbjahr 2011 (im Vergleich zum Jahr 2010) die Nachfrage wieder steigen würde. Leider habe sich die Nachfrage nach Wechselrichtern auch nach den Sommermonaten aber nur geringfügig erhöht. Vor allem der Absatz für die Wechselrichter kleinerer PV-Anlagen sei stark zurückgegangen. Die Gewinnaussichten des Unternehmens mussten nach unten korrigiert werden. (1) Die vom Unternehmen genannte schwache Auftragslage spiegelt sich auch in den aktuellen Zubauraten von Photovoltaikanlagen wider: Wurde 2010 in Deutschland noch 7,4 GW Photovoltaikleistung zugebaut, waren es bis Ende Juni 2011 nur etwa 1,75 GW. (2)

Die Gründe für diesen Einbruch liegen unserer Meinung nach auf der Hand: In der Änderung des EEG 2010 hat der Bundestag den sogenannten „atmenden Deckel“ eingeführt. Damit sollte das PV-Wachstum aus Sorge vor einem weiteren Anstieg der EEG-Umlage begrenzt werden. Da ein bedeutender Anteil der Umlage auf die Solarstromerzeugung zurückzuführen ist, hatte z.B. Holger Krawinkel, Bundesverband der Verbraucherzentralen, sowie die Medien 2009 und auch 2010 lautstark argumentiert, dass ein weiterer Ausbau der Photovoltaik für die Verbraucher nicht tragbar sei und das PV-Wachstum demzufolge stark eingeschränkt werden müsse (3).

Infolgedessen wurden Absenkungsraten der Einspeisevergütung für neue PV-Anlagen definiert, die weit über den Werten der Vergangenheit liegen. Steigt der Ausbau, wird die Vergütung für neue Anlagen umso schneller abgesenkt (zu Beginn eines Jahres und eventuell auch zur Mitte eines jeden Jahres). Bis Ende Mai 2011 war der Zuwachs im Vergleich zu 2010 so stark zurückgegangen, dass die Absenkung zum 01.07.2011 unterblieb. Experten rechnen im 2. Halbjahr zwar mit einer Belebung, jedoch würde diese voraussichtlich zum 01.01.2012 zu einer Degression von 15% (4) führen. Ob 2012 eine Marktbelebung mit der weiteren starken Absenkung zu erreichen ist, kann bezweifelt werden. Darüber hinaus steigt für Investoren die Unsicherheit, da die Degressionen nun abhängig vom Ausbau halbjährlich erfolgen können. Die Neigung, in einem zusehends schwerer planbaren Umfeld zu investieren, sinkt offensichtlich.

Welche Auswirkungen sind aufgrund des Nachfragerückgangs zu erwarten?

Neben dem Rückgang im Auftragsgeschäft, zeigt die schwache Nachfrage erste Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Hatte sich in den letzten Jahren die Solarbranche als ein „Wachstumsmotor“ der Wirtschaft erwiesen - viele Arbeitsplätze wurden neben der Produktion auch im Solarhandwerk geschaffen - könnte es nun zu einer Schrumpfung kommen. Nicht nur SMA wird vermutlich gezwungen, seine Leiharbeiter zu entlassen, auch an den Solarinstallateuren wird vermutlich diese negative Entwicklung nicht spurlos vorübergehen. Auch beim SFV haben wir von einigen Installateuren erfahren, dass sie Absatzprobleme haben. Einige haben in Gesprächen uns gegenüber angedeutet, dass sie Mitarbeiter entlassen oder ihr Unternehmen schließen wollen, wenn keine Marktbelebung erfolgt. Dies wird auch negative Konsequenzen für die regionale Wirtschaft haben.

Die Umstellung der Energieversorgung auf Erneuerbare Energien muss vor dem Hintergrund des Klimawandels schnellstens erfolgen. Es ist unverantwortlich, die Kosten dafür auf zukünftige Generationen abzuwälzen, nur weil wir in einem „reichen“ Land wie Deutschland nicht bereit sind, die überschaubaren Kosten des Ausbaus der Erneuerbaren Energien zu tragen.

Dabei halten laut einer aktuellen Umfrage von TNS Infratest vom Juli dieses Jahres (siehe http://www.unendlich-viel-energie.de/de/detailansicht/article/224/umfrage-buerger-befuerworten-energiewende-und-sind-bereit-die-kosten-dafuer-zu-tragen.html) 94 Prozent der Befragten den Ausbau der Erneuerbaren Energien für sehr wichtig, 79 Prozent wären sogar bereit, die Kosten dafür zu tragen.
Die Politik ist somit gefordert, die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Photovoltaik wieder so abzuändern, dass Investoren Planungssicherheit haben und eine ausreichende Rendite erwarten können. Nur so wird es uns gelingen, atomare und fossile Energieträger schnellstens abzulösen. Neben einem weiter starken PV-Wachstum in Deutschland brauchen wir allerdings auch einen stark beschleunigten Ausbau der Windkraftnutzung im Binnenland und die Förderung von dezentralen Stromspeichern.

Quellen:

[1] http://www.sma.de/de/news-infos/aktuelle-nachrichten/news/news/1187.html
[2] http://www.bundesnetzagentur.de/cln_1911/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetGas/ErneuerbareEnergienGesetz/VerguetungssaetzePVAnlagen/VerguetungssaetzePhotovoltaik_Basepage.html?nn=135464
[3] http://www.sfv.de/artikel/medienfeldzug_gegen_die_solarenergie.htm
[4] http://www.solarserver.de/solar-magazin/nachrichten/aktuelles/2011/kw36/mehr-als-ein-gigawatt-photovoltaik-zubau-im-juni-und-juli-deutliche-senkung-der-solarstrom-verguetung-in-deutschland-erwartet.html