Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 31.03.2018, aktualisiert am 04.04.2018, Wolf von Fabeck:

Europäischer Netzverbund ersetzt keine Langzeit-Stromspeicher

Deutscher Wetterdienst analysiert: Viermal 48 Stunden ganz Europa ohne nennenswerte Wind- und Sonnenenergie

Bei der Klimapressekonferenz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am 6. März 2018 in Berlin hielt der Vizepräsident des DWD, Dr. Ludwig Becker eine Rede zum Thema:
Deutscher Wetterdienst analysiert wetterbedingte Ertragsausfälle erneuerbarer Energien

Wichtigste Feststellung war seine Aussage, dass eine Kombination von Windkraft, Photovoltaik und Offshore-Anlagen sinnvoll sei. Seine Rede endete jedoch mit dem nachdenklichen Satz:
"Aus meteorologischer Sicht spricht also nichts gegen einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland und Europa. Da das Wetter aber macht was es will, können wir niemals ausschließen, dass eine extreme Windflaute zusammen mit einer sonnenarmen Phase über Europa auftritt. Eine verantwortungsvolle Energiepolitik muss sich deshalb nicht nur um den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik kümmern, sondern zugleich für ausreichend Reservekapazitäten sorgen. [...]"

Die Frage, um was für Reservekapazitäten es sich handeln könnte, blieb offen. Nach Überzeugung des SFV muss es sich um Reservekapazitäten handeln, die weder radioaktive noch klimagashaltige Emissionen verursachen - auf Deutsch also um Langzeitspeicher.

Viermal 48 Stunden ganz Europa ohne nennenswerte Wind- und Sonnenenergie?

Die in der Überschrift genannte Warnung: "Viermal 48 Stunden ganz Europa ohne nennenswerte Wind- und Sonnenenergie" wird man in der Rede von Ludwig Becker so nicht wörtlich finden, doch kann man sie aus einer von ihm verwendeten Grafik herleiten:

DWD Europäischer Stromverbund

Graphische Darstellung mit Erläuterung aus dem o.a. Vortrag von Dr. Paul Becker am 06.03.2018 in Berlin, abgerufen am 31.03.2018
Zur Vergrößerung in das Bild klicken

 
Ganz rechts in der Grafik findet man folgende Angaben:
      "Europa", "0,2", "Wind + Sonne"
"In zwanzig Jahren durchschnittlich 0,2 mal pro Jahr" klingt beim flüchtigen Lesen zunächst wenig aufregend, doch rechnet man die Gesamtzahl aus, so sind damit insgesamt 4 Fälle in jüngerer Vergangenheit dokumentiert, in denen in ganz Europa von Gibraltar bis zum Baltikum, von Schottland bis zum Peloponnes zwei ganze Tage und zwei ganze Nächte lang das Wind- und Sonnenstrom-Angebot noch nicht einmal 10 Prozent der installierten Solar- und Windleistung erreicht hätte. Der von der Bundesregierung angestrebte europaweite Ausbau der Fernübertragungsnetze hätte also - obwohl er Milliarden kosten und Jahrzehnte dauern würde - bei gleichem Wetterverlauf viermal einen völligen Blackout nicht verhindern können.

Einen eindrucksvolleren Beweis für die völlige Sinnlosigkeit des von der Bundesregierung angestrebten europaweiten Ausbau der Fernübertragungsleitungen kann man sich kaum vorstellen.

Nicht der örtliche Unterschied zwischen dem Wettergeschehen ist das entscheidende Problem, sondern der zeitliche Unterschied.

Zeitliche Verschiebung von elektrischer Leistung ist nur mit Speichern möglich. Doch Stromleitungen können elektrische Leistung nur örtlich verschieben.

Lösungsansatz des SFV

Wir gehen davon aus, Solar- und Windanlagen möglichst in der Nähe der Stromverbraucher aufzustellen und die zeitliche Unregelmäßigkeit des Sonnen- und Windangebots dezentral durch Langzeit-Stromspeicher auszugleichen. Unter Langzeitspeichern verstehen wir Speicher, die ein mehrere Wochen unzureichendes Wind- und Sonnenscheinangebot überbrücken können. Und dazu sind nach jetzigem Stand des Wissens (bei vertretbarem Volumenbedarf) nur chemische Speicher in der Lage. Die erzeugte Überschussenergie bei gutem Wind und guter Sonneneinstrahlung sollte chemisch in flüssigem Methanol oder gasförmigen Methan gespeichert werden und im Bedarfsfall durch dezentrale Brennstoffzellen oder Kleine Kraftwerke in Strom zurückverwandelt werden.

Diese Erkenntnis unterstützt unsere Forderung: Dezentrale Langzeitspeicher statt weitere Fernübertragungsleitungen!

Weiterführende Literatur:

Nächte ohne ausreichende Windenergie



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