Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Bleibt Berlin auf seinen Fördergeldern sitzen?

- Eine Chronologie -

Von Susanne Jung


Januar 1997

Das Land Berlin vereinbart mit dem damals noch landeseigenen Energieversorger Bewag ein Programm "Energie 2000", das die Förderung regenerativer Energien in Höhe von 40 Millionen DM bis zum Jahr 2000 vorsieht. Gestecktes Ziel nach Umweltsenator Peter Strieder: "Berlin soll Spitzenpositionen bei der Förderung regenerativer Energien einnehmen. Berlin soll Solarhauptstadt werden!" Die installierte Leistung soll nach Ablauf des Programmes insgesamt 10 MW betragen.

Start Solarstrombörse: Dem preiswertesten Anbieter von Solarstrom gewährt die Bewag für neu errichtete PV-Anlagen einen Investitionszuschuss und eine erhöhte Einspeisevergütung über 15 Jahre.

Dezember 1997:

Solarstromanlagen einer Gesamtleistung von 644 kW haben die Zusage der Solarstrombörse, durch Fördermaßnahmen finanziert zu werden. Tatsächlich am Netz sind zu diesem Zeitpunkt jedoch erst Anlagen von ca. 60 kW. Abwarten sei angesagt, so die Bewag. Man hätte ja ein Jahr Zeit, sein Vorhaben zu verwirklichen.Vielleicht ist den "Siegern" jedoch der eher ungünstige Finanzierungsplan aufgestoßen.

Das Förderprogramm Erneuerbare Energien (FEE) läuft nach 3jähriger Laufzeit aus. Anlagenbetreiber konnten hierbei einen Zuschuss von 2000.-DM/kWp bis zu einer Höchstgrenze von 5 kWp erhalten. Viele Interessenten, die vorweg die Zusage der Solarstrombörse erhalten haben, springen letztendlich doch noch auf dieses Förderprogramm über. In Koppelung mit den Fördermitteln der lnvestitionsbank Berlin (IBB) war es die bessere Finanzierungsvariante.

Mai 1998:

Programmstart Grüner Tarif: Berliner Bürger können künftig mit einem jährlichen Betrag von mindestens 20 DM dazu beitragen, daß zusätzliche Photovoltaikleistung installiert wird. Die freiwillig eingehenden Beiträge sollen, wie bei Grünen Tarifen üblich, vom Energieversorger verdoppelt werden. Förderhöchstgrenze jährlich 1 Millionen DM.

Juni 1998:

Die von der Investitionsbank Berlin (IBB) auch in diesem Jahr wieder zur Verfügung gestellten Fördermittel in Höhe von 4,0 Millionen DM werden nur zögernd in Anspruch genommen. 2,5 Millionen DM Fördermittel drohen zu verfallen. Unter finanzieller Beteiligung des Berliner Senats soll die DGS mit der Aktion "Sonnentelefon" Berliner Bürger auf die Spur dieser ungenutzten finanziellen Quellen bringen. Der Werbeaufwand wird verstärkt: Plakatwerbungen, Radiosendungen, Informationsmappen... Die Resonanz ist eher gering. Auch im Oktober liegen noch 1,1 Millionen DM brach.

Oktober 1998:

Die Zahl der Berliner, die an der Solarstrombörse mitbieten, ist eher rückläufig. Man könnte auf saisonale Hindergründe schließen. Jedoch spechen folgende Zahlen für sich. Stand Oktober: bewilligte Anlagen 194 mit gesamt 900 kW; Gebaute und am Netz: befindliche Anlagen 63 mit insgesamt 171 kW. Bei der IBB könnten noch immer 1,1 Millionen DM Fördermittel in Anspruch genommen werden. Die Resonanz auf die Grünen Tarife ist gering.

Man hätte alles viel einfacher haben können!

24.11.1994: Beschluß des Berliner Abgeordnetenhauses: Der Senat wird aufgefordert, in den Verhandlungen zur Umsetzung des Konzessionsvertrages mit der Bewag die kostendeckende Vergütung zu vereinbaren. Dies soll auf der Grundlage einer Regelung geschehen, wie sie das Wirtschaftsministerium NRW erlassen hat.[...] Die Vergütung soll anhand der Kosten von Musteranlagen (einschließlich der Finanzierungskosten) berechnet werden, die die örtliche Betreiberin des Stromnetzes nach energiewirtschaftlich besten und rationellsten Standards baut.[...]


Aus dem Leben eines Solarbörsianers

(Übereinstimmungen mit der Wirklichkeit sind beabsichtigt ...)

Der umweltbewußter Bewag-Kunde Fritz Helle findet an der Idee der Solarstrombörse Gefallen. "Hier soll man ja richtig gut unterstützt werden, will man künftig Solarstrom vom eigenen Dach ernten..." hat er gehört. Ein Anruf bei der Bewag informiert schnell über Details.

Preispoker Teil 1:

Fritz Helle läßt sich vom Installateur einen Kostenvoranschlag für eine 1-kW-Anlage erstellen. Dort muß er nun erfahren, daß bei Verwendung qualitativ hochwertiger Anlagenkomponenten und guter Garantieleistung mit einem Preis von 15.000 DM mindestens zu rechnen ist. Die Bewag hatte etwas von unter 14.500 DM gesagt.

Der Solarinstallateur fügt schnaufend hinzu, er sei auf jeden einzelnen Auftrag angewiesen und würde unter Umständen den Preis um einen gewissen Teil senken. Daß er dann nicht das in der Handwerksbranche übliche Honorar für die Installationsleistung bekäme, müsse er wohl hinnehmen. Über Gewinnspannen, so frotzelt er, wird in seinen Kreisen sowieso schon lange hinweggesehen. Im Stillen denkt er darüber nach (wer will es ihm verüblen), ob vielleicht beim Einkauf der einen oder anderen Anlagenkomponente nicht "was zu machen" sei. Warum müssen es denn immer die besten Materialien sein? Fritz Helle wird es schon nicht merken...

Fritz Helle freut sich, daß er den von der Bewag vorgegebenen Anlagenpreis einhalten kann. Man muß den Installateur nur ein bißchen unter Druck setzen ...

Preispoker Teil 2:

Fritz Helle geht nun an die Börse. Er möchte auf jeden Fall den Zuschuß sowie die erhöhte Einspeisevergütung erhalten. Von dem freundlichen Kundenberater bei der Bewag muß er nun leider erfahren, daß er lieber einen gewissen Anteil seines lnstallationspreises eigenfinanzieren sollte, um an der Börse bestehen zu können. Zu viele andere würden sich mitbewerben. Fritz Helle überlegt und entscheidet kurzentschlossen. 2120 DM, so denkt er, würde er eigenfinanzieren wollen - ohne Zuschüsse etc. versteht sich! Der in der Börse veranschlagte Preis reduziert sich so auf 12 880.-DM.

Börsentermin:

Fritz Helle hat Glück gehabt. In seinem Briefkasten findet er den positiven Bescheid der Bewag zur Finanzierung seiner Solaranlage. 6440.-DM Investitionszuschuß und eine erhöhte Vergütung von 0,72 Pf/kWh über einen Zeitraum von 15 Jahren soll er erhalten.

Preispoker Teil 3

Seine Frau ist skeptisch. Sie rechnet nach: "Warum sollen wir draufzahlen?" fragt sie ihn. "Die Energiewirtschaft kann ihre Stromerzeugungsanlagen doch schon immer wirtschaftlich betreiben. Nein, erst wenn die Bewag über einen Zeitraum von 20 Jahren 1,04 DM/kWh zahlen und tatsächlich wie angekündigt 50% Investitionszuschuß drauflegen, lohne sich die Sache." Recht hat sie, denkt Fritz Helle und begräbt seinen Traum von der Solaranlage.

 

 

 


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