Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Verrät der SFV seine eigenen Ideale?

Diese provokante Frage drängt sich mir auf, wenn ich die Berichte im letzten Solarbrief zur Gründung der Naturstrom AG lese. Fällt der SFV zurück in längst vergangene Zeiten?

Leserbrief von Helmut Hardy, Aachen

1.Die Naturstrom AG ist die Umsetzung der „Grünen Tarife" durch die Umweltorganisationen!

Die Naturstrom AG stellt"grünen Idealisten" umweltfreundlich produzierten Strom zur Verfügung. Das, wofür der WWF und die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie DGS im letzten Solarbrief noch kritisiert werden („ein Finanzierungsmodell für erneuerbare Energien, das von Stromkunden Investitionsmittel einwirbt'), setzt der SFV federführend selber um. Wird die Sache besser, nur weil sie nicht von EVU´s, sondern von Umweltverbänden gemacht wird?

2. Die Naturstrom AG löst Probleme, die wir ohne sie nicht hätten!

Die Naturstrom AG stellt selber keinen Strom her, sondern sorgt dafür, daß der Strom zeitgleich verbraucht und produziert wird. Dies ist zur Zeit ein rein akademisches Problem. Solange die regenerativen Energien noch nicht 30, 40 oder 50 Prozent zur Stromerzeugung beitragen, gibt es gar keine Notwendigkeit, dieses Problem praktisch zu lösen. Natürlich sollte man sich über dieses Problem Gedanken machen und dazu forschen. Dieses Problem aber bei einem Anteil der erneuerbaren Energien unter 10 Prozent praktisch zu lösen, ist eine Verschwendung der Geldmittel, die man auch unmittelbar zum Bau von Windkraft-, Biogas und natürlich Photovoltaikanlagen einsetzen könnte und sollte!

3. Die Naturstrom AG wird als Alibi der EV´s eingesetzt werden!

Ich höre jetzt schon unsere Stromversorger für ihre Grünen Tarife werben: Wer umweltfreundlichen Strom will, kann ihn haben, soll aber auch dafür bezahlen. In Zukunft gibt es für RWE, Bayemwerk und Konsorten noch nicht mal einen Grund, diese grünen Tarife anzubieten. Wer grünen Strom will, soll doch zur Naturstrom AG gehen. Die Naturstrom AG entläßt die Stromversorger aus einer Verantwortung, die sie heute noch nicht wahrnehmen.

Die Erhaltung unserer Lebensgrundlagen ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nicht auf ein paar „Umweltfreaks" abgewälzt werden darf. Diese Erkenntnis ist der Unterschied zwischen Solarpfennig und grünem Tarif einerseits und kostendeckender Vergütung andererseits.

 




Naturstrom AG ... Pro und Kontra

Weit über 100 Leser des Solarbriefs wollen Naturstromaktien oder Naturstrom kaufen, andererseits gibt es besorgte Reaktionen (siehe oben)

Wolf von Fabeck

Stellungnahme zum Leserbrief

Wir geben Helmut Hardy in vielen Punkten seines Leserbriefs recht. Auch wir sind davon überzeugt, daß grüne Tarife, Solarstrombörsen, Zukunftspfennige etc. die Energiewende nicht herbeiführen können; sondern daß nur die kostendeckende Vergütung mit Umlage der Mehrkosten auf alle Stromkunden eine reelle Chance bietet. Die Gründung der Naturstrom AG sehen wir aber nicht als Alternative, sondern als bescheidene zusätzliche Maßnahme.

Alternative zu den grünen Tarifen der Stromversorger

Viele Menschen wollen durch einen persönlichen Aufschlag auf ihren Strompreis mehr für die Energiewende tun. Die Stromversorger nutzen die Gelegenheit und lassen sich von solchen Idealisten den Bau ihrer Solar- und Windanlagen bezahlen. Wir halten das nicht für verwerflich. Was wir allerdings für den Gipfel der Scheinheiligkeit halten, ist eine andere Tatsache: Die gleichen Stromversorger sabotieren die kostendeckende Vergütung. Wer privat erzeugten Solarstrom in ihr Netz einspeist, bekommt nur ein Zehntel der Vergütung, die sie für ihre eigenen Anlagen in Ansatz bringen.

Die Naturstrom AG bietet endlich die Möglichkeit, Solar- und Windstrom zu kaufen, ohne damit die Gegner der kostendeckenden Vergütung zu unterstützen.

Prüfstein für die Naturstrom AG

Ob der Naturstrom 8 Pfennige mehr kostet als konventioneller Strom oder eine Mark, ob der Naturstrom 1 % Solaranteil enthält oder 50 %, ob der Naturstrom gleichzeitig im Stundenmittel erzeugt wird oder im Jahresmittel, ob die Aktien der Naturstrom AG sicher sind oder Risikokapital, das ist für uns nicht so entscheidend. Prüfstein für uns ist einzig die Frage, ob die Tätigkeit der Naturstrom AG das Stromeinspeisungsgesetz und die kostendeckende Vergütung stützt. Uns genügt hier nicht das verbale Bekenntnis, sondern wir beobachten kritisch die Auswirkungen aller Naturstrom-Entscheidungen (und Erklärungen) zu diesem Thema. Die Naturstrom AG darf im Politpoker der nächsten Legislaturperiode kein Argument gegen die Aufnahme der kostendeckenden Vergütung ins Stromeinspeisungsgesetz liefern.

Unterschiede der Naturstrom AG zu anderen Stromhandelsgesellschaften

Helmut Hardy fragt, ob die Sache dadurch besser würde, wenn sie nicht von EVUs sondern von Umweltverbänden gemacht wird. Aber ja, das wird sie in der Tat! Erstens ist das Modell nicht identisch mit denen der Stromversorger, zweitens ist die Interessenlage eine andere:

Die Naturstrom AG sabotiert nicht die kostendeckende Vergütung oder das Stromeinspeisungsgesetz.

An der Naturstrom AG verdienen keine Aktionäre, die mit Braunkohle oder Atom verflochten sind.

Die Naturstrom AG betreibt keine eigenen Anlagen, sondern unterstützt den Neubau privater Anlagen.

Die Naturstrom AG wird nur Strom aus Anlagen anbieten, die sonst nicht hätten gebaut werden können.

Die Naturstrom AG lehnt Preisdumping durch „Solarstrombörsen" o.ä. ab. Beim Stromeinkauf wird nicht versucht, die kostendeckende Vergütung zu unterbieten.

Die Naturstrom AG sorgt dafür, daß das Geld ihrer Kunden die Betreiber privater Anlagen erreicht, ohne daß Geld als Durchleitungsgebühr beim Netzbetreiber hängenbleibt (Erläuterung unten).

Die Naturstrom AG plant in ihrem Bereich Vollversorgung mit erneuerbaren Energien rund um die Uhr .

Die Erneuerbaren müssen selbständig werden

Helmut Hardy meint, zur Zeit bestünde keine Notwendigkeit, das Problem der Versorgung rund um die Uhr zu lösen. Technisch gesehen hat er Recht, doch vom politischen Standpunkt aus beurteilen wir das anders. Es besteht ja nur deshalb keine Notwendigkeit zur praktischen Lösung des Gleichzeitigkeits-Problems, weil die Verbundunternehmen durch ein ausgefeiltes Netzmanagement Spannung und Frequenz im Verbundnetz konstant halten. Die erneuerbaren Energien leben hier wie ein Jugendlicher, der in den Ferien jobbt, um sein Taschengeld aufzubessern, der sich aber Miete und Mittagstisch durch die Eltern bezahlen läßt. Die Arroganz der Stromwirtschaft rührt nicht zuletzt aus ihrem Herrschaftswissen, aus ihrer technischen Kompetenz gegenüber der Unerfahrenheit und Unselbständigkeit der Erneuerbaren. Das platte Argument: „Und was macht ihr, wenn die Sonne nicht scheint", bringt noch immer viele unserer Freunde zum Stottern. Wer sich Respekt erwerben will, muß auf eigenen Füßen stehen. Die Umweltbewegung muß zeigen, daß sie Strom zeitgleich produzieren kann.

Die konventionelle Stromwirtschaft hat stets und energisch bestritten, daß man zu diskutablen Preisen überhaupt eine zeitgleiche Versorgung mit erneuerbaren Energien durchführen kann. Es kann deshalb bereits als kleine Sensation angesehen werden, daß jetzt die Naturenergie AG (bitte die Namen nicht verwechseln), eine Tochter des EVU, Kraftwerke Rheinfelden, behauptet, ihre Kunden ebenfalls zeitgleich mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen zu können.

Die Naturstrom AG als Alibi für die Stromversorger?

Natürlich passiert genau, was Helmut Hardy befürchtet: die EVU's weisen auf die Naturstrom AG hin, wenn sie ihre eigenen grünen Tarife verteidigen wollen. Doch das wird bald aufhören, wenn es heißt: Naturstrom AG zahlt kostendeckende Vergütung für Solarstrom im RWE-Versorgungsgebiet.

 




Keine Durchleitung:

Das Verfahren der Naturstrom AG

Der Stromkunde teilt seinem Netzbetreiber (z.B. dem RWE) eine neue Rechnungsanschrift mit: Naturstrom AG, Düsseldorf.

Der Stromkunde erhält weiterhin den Strom aus dem Netz des bisherigen Netzbetreibers. Physikalisch und schaltungstechnisch ändert sich für ihn nichts.

Der Netzbetreiber liest weiterhin den Stromzähler ab, doch die Rechnung schickt er künftig nicht mehr dem Stromkunden, sondern an die Naturstrom AG.

Die Stromrechnung wird von der Naturstrom AG für den Stromkunden neu erstellt. Sie enthält im wesentlichen zwei Posten:
1.den ursprünglichen Rechnungsbetrag des Netzbetreibers,
2. einen Naturstrom-Aufschlag der Naturstrom AG.

Die Naturstrom AG leitet den ersten Betrag an den Netzbetreiber weiter und den zweiten Betrag (nach Abzug der Verwaltungskosten) an die Betreiber der regenerativen Anlagen.

Die Betreiber der regenerativen Anlagen erhalten vom Netzbetreiber weiterhin die gesetzliche Mindestvergütung nach Stromeinspeisungsgesetz. Von der Naturstrom AG erhalten sie eine zusätzliche Vergütung.

Eine Durchleitungsgebühr fällt nicht an.

Das Stromeinspeisungsgesetz garantiert, daß der Löwenanteil für die Betreiber der regenerativen Anlagen, nämlich die 16 Pfennig pro Kilowattstunden weiterhin vom Netzbetreiber aufgebracht wird. Dieser legt die Mehrkosten auf die Allgemeinheit der Stromkunden um. Die wichtigste Forderung des Solarenergie-Fördervereins ist damit erfüllt: Die Naturstrom AG nimmt dem Netzbetreiber nicht die Verpflichtung zur Zahlung der gesetzlichen Mindestvergütung ab.

Und worin besteht die Leistung der Naturstrom AG?

Die Naturstrom AG sorgt dafür, daß für ihre Stromkunden eine entsprechende Zahl von Neuanlagen dort gebaut werden, wo sie sonst nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten. Dadurch trägt die Naturstrom AG die kostendeckende Vergütung in Regionen, in denen sie bisher nicht angeboten wurde.

Die Naturstrom AG schließt dazu mit den Betreibern der zukünftigen Neuanlagen langjährige Strombezugsverträge ab, die eine Finanzierung der Anlagen ermöglichen.

Die Naturstrom AG sichert durch Rücklagen aus ihrem Eigenkapital diese langfristigen Strombezugsverträge. Dies ist erforderlich, weil die Kaufverträge mit den Stromkunden nur für kurze Fristen abgeschlossen werden.

In einem späteren Schritt will die Naturstrom AG durch entsprechendes Zu- oder Wegschalten von Biomasse-Anlagen die Stromeinspeisung mit dem Verbrauch ihrer Kunden synchronisieren - zeitgleiche Versorgung!



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