Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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Datum: April 2004

Auszug aus dem nicht veröffentlichten SPIEGEL-Beitrag von Harald Schumann und Gerd Rosenkranz

Die Mär von der teuren Regelenergie

Als zentrales Argument verweisen die Windkraftskeptiker auf das vermeintliche Grundproblem dieser Energiequelle: Ihre unsichere Verfügbarkeit. Das unstete Wetter verursache Zusatzkosten in Höhe von «mehreren hundert Millionen Euro» jährlich, die in der Umlage der Vergütungszahlungen noch gar nicht enthalten seien, klagen Clements Ministeriale in einem Positionspapier. Dabei unterschlagen die Windkraftkritiker freilich, dass wegen der Schwankungen von Angebot und Nachfrage im Netz von jeher Reserven bereit stehen mussten, auch ganz ohne die lästigen Propeller. Schließlich werden auch Großkraftwerke von Zeit zu Zeit gewartet oder müssen ersetzt werden, wenn ein Defekt sie lahm legt. Während der Hitzeperiode dieses Sommers fiel nicht nur die Windkraftleistung auf müde zehn Prozent. Auch Atomkraftwerke mussten wegen der zu starken Erwärmung des Kühlwassers aus den Flüssen heruntergedrosselt werden.

Gleichwohl drückt der Windstrom bei den traditionellen Stromerzeugern auf die Rendite. Denn jede Kilowattstunde Ökostrom senkt ihre eigenen Erlöse. Schuld daran tragen Strommanager freilich auch selbst. Nicht nur weigern sie sich bisher konsequent, selbst in die Ökostrom-Produktion einzusteigen, obwohl das Gesetz dies ausdrücklich zulässt. E.on betreibt ganze 65 der in Deutschland installierten 13.000 Megawatt Windkraft. Zudem setzen sie viel zu einseitig auf Atom- und Braunkohlekraftwerke, deren Betrieb sich nur lohnt, wenn sie rund um die Uhr laufen. Wenn sie dagegen bei kräftigem Wind heruntergefahren werden müssen, mindert das direkt die Erlöse, eingesparte Brennstoffkosten spielen praktisch keine Rolle. Anders wäre das beim Einsatz von Gaskraftwerken, deren größter Kostenblock der Brennstoff ist. Doch die gibt es kaum im Kraftwerks-Portfolio der Konzerne.
Wie die Windkraft so die E.on-Bilanz vermiesen kann, erfuhr Netzwächter Markus Wallura zum Beispiel in der Nacht vom 20. auf den 21. September. Wegen der aufkommenden Herbstwinde schnellte da die Leistung der Windrotoren in der E.on-Regelzone binnen sechs Stunden von fast Null auf 2.500 Megawatt hoch. Flexibel handhabbare Gas- und Wasserkraftwerke hatte E.on während dieser Nacht nicht mehr zur Verfügung. Als Wallura darum wegen der Vorfahrtsrechte für Windstrom die Drosselung der ins Netz eingespeisten Leistung anforderte, mussten seine Kollegen ein Atomkraftwerk herunterfahren - für die E.on-Manager ein ärgerlicher Umsatzausfall. Dabei wären moderne Gaskraftwerke ein probates und durchaus profitables Instrument, die Nebenkosten der sauberen aber unstet anfallenden Windkraft auszugleichen. Mit den so genannten Gas- und Dampfkraftwerken (GuD) steht eine unschlagbar effiziente Technologie zur Verfügung. Sie verwandeln bis zu 60 Prozent der eingesetzten Energie in Elektrizität und blasen dabei nur halb so viel Kohlendioxid pro Kilowattstunde in die Atmosphäre wie Kohlekraftwerke. Darum sind sie seit über zehn Jahren in aller Welt die Technik der Wahl. Großbritannien stellte binnen weniger Jahre ein Drittel seiner Stromerzeugung auf Gaskraft um und erfüllt deshalb schon heute die Verpflichtungen des Kyoto-Protokolls. Der Kraftwerksbauer Siemens macht denn auch weltweit Milliardenumsätze mit den GuD-Turbinen - nur nicht in Deutschland.

 


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