Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

[ Artikel diskutieren und weiterverbreiten? Infos zum Copyright ]
[ Druckversion dieses Artikels ]

vom 01.09.2017, aktualisiert am 21.10.2017, Wolf von Fabeck:

"Solange der Strom aus Kohlekraftwerken stammt, nützt der schönste e-Golf nichts"

Antwort auf einen unqualifizierten Beitrag in DER ZEIT - ergänzt durch einen Nachtrag am 21.10.

Bis Mai 2017 hatten wir noch einen roten Uralt-Golf 2 aus dem Baujahr 1992. Wenn wir den starteten, dann klirrten die Fensterscheiben der Nachbarn und in der Garageneinfahrt stand eine Rauchwolke. Aber für den Großeinkauf oder für eine Einladung spät am Abend war er doch nützlich, denn wir wohnen außerhalb der Umweltzone.

Vor vier Monaten haben wir uns nun statt dessen einen weißen e-Golf zugelegt, und jetzt ist alles anders.

Eigentlich sind wir aus Umweltgründen - und weil Fahrradfahren die schönste Fortbewegungsart ist - von den Großeltern bis zum kleinsten Enkel begeisterte Fahrradfahrer. Wir bleiben dem Fahrrad auch weiterhin treu.

Aber jetzt, jetzt macht Autofahren wieder Freude - wenn es nicht gerade zur Hauptverkehrszeit ist. Lautlos wie ein Radfahrer durch die Straßen zu gleiten, bei geöffneten Scheiben sogar das Zwitschern der Vögel zu hören - ein Genuss! In der Anfangszeit mussten wir erst einmal lernen, nicht zu schnell zu fahren, denn die Beschleunigung ist beeindruckend mühelos und kein Motorgeräusch zeigt uns, wie schnell wir bereits fahren.

Aufladen tun wir mit normalen 230V Wechselstrom aus der Steckdose in der Garage. Da wir eine Solaranlage auf dem Dach haben, haben wir das unsere dazu getan, den Anteil an Kohlestrom im öffentlichen Netz zu verringern. Da muss natürlich noch viel mehr geschehen. Das wissen wir selbst.

Aber nun lese ich auf der Titelseite der sonst so geschätzten Zeitschrift DIE ZEIT die beleidigende Zwischenüberschrift:

Solange der Strom aus Kohlekraftwerken stammt, nützt der schönste e-Golf nichts

Mit anderen Worten: die Menschen, die ihr Geld für einen e-Golf ausgeben, sind ja so naiv. Die wissen noch nicht einmal, dass zwei Drittel des Stroms aus Kohlekraftwerken stammt.

Mit Verlaub: Das mit dem Kohlestrom wissen wir sehr wohl! Aber sollen wir weiter mit Diesel- oder Benzin-Stinkern herumfahren, weil die Regierung die Kohlekraftwerke nicht abschaltet? Warum schreibt DIE ZEIT nicht:

Ein e-Golf ist der Anfang der Energiewende auch im Straßenverkehr.

Ich will hier keine Werbung für den VW-Konzern machen, der sich gerade in den letzten Jahren mit dem Dieselbetrug unsterblich blamiert. Aber mit dem e-Golf hat er etwas Gutes geleistet!

Also bleiben wir firmenneutral: Jedes Elektro Auto ist der Anfang der Energiewende im Straßenverkehr.

 

Sehen wir uns einmal den Beitrag in DER ZEIT vom 17.08.17 genauer an

Den Beitrag finden Sie im Internet hier.

Unter der Überschrift "Bloß keine Quote - Eine gute Umweltpolitik diktiert nicht die Motortypen. Sie gibt das Ziel vor, nicht den Weg" werden Überlegungen angestellt, wie man die Automobilkonzerne dazu veranlassen könnte, klima- und gesundheitsfreundlichere Autos herzustellen. Der Autor hält nichts davon, den Autoherstellern eine jährlich zu erhöhende Mindestquote an Elektro-Mobilen vorzuschreiben. Seine spitzfindige Begründung: "Die Quote erstickt die Suche nach dem Besseren, das noch niemand kennt." Will der Autor trotz der Zeitnot bei der Umsetzung der Pariser Klimaschutz-Notwendigkeiten untätig auf irgend ein technisches Wunder warten???
Was schlägt er denn vor? Er schreibt: "Frankreich und Großbritannien gehen intelligenter vor. Sie kündigten an, ab 2040 keine Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren mehr zuzulassen."

Doch bis 2040 sind es noch 23 Jahre! Würde man in Deutschland diesem Vorschlag folgen, dann werden bis 2040 noch sieben neue Bundesregierungen kommen und gehen. Kann man sich darauf verlassen, dass sie zu der Entscheidung der Vorgängerregierungen stehen? Was ist, wenn AfD oder FDP mit der CDU eine Koalition eingehen? Oder was ist, wenn Herr Dobrindt dann immer noch Verkehrsminister ist? Und was soll geschehen, wenn die Automobilindustrie sich überhaupt nicht um die Regierung kümmert und weiterhin beim Verbrennungsmotor bleibt?

Warum soll die Bundesregierung die Automobilindustrie zur Abkehr von der Verbrennungstechnik zwingen?

Die Regierung braucht ein Gesamtkonzept: Ausstieg aus der Fossilstromerzeugung - Einstieg in die Erneuerbaren Energien - Einstieg in die E-Mobilität! E-Mobilität als Zugpferd für die Batterieentwicklung - nicht nur beim kraftfahrzeug, sondern auch im Flugverkehr. Kondensstreifen sind klimaschädlich, auch wenn sie aus synthetischem Treibstoff stammen. Dies alles wird nicht ohne den Widerstand der tonangebenden Konzerne gehen, die sich auf Verbrennungsmotoren spezialisiert haben. Vorurteile und Gewohnheit, werden die Batteriemobilität weiter verzögern.
Damit die nächsten Jahre nicht ungenutzt verstreichen, dürfen die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht erst für einen Zeitpunkt in 13 Jahren (wie es die Grünen vorschlagen) oder in 23 Jahren (wie es Großbritanien oder Frankreich vorhaben) angekündigt werden. Schon in der kommenden Legislaturperiode muss eine Quote vorgeschrieben werden. Und diese E-mobil-Quote muss dann von Jahr zu Jahr progressiv bis auf 100 Prozent steigen. Sie muss von Anfang an durchgesetzt werden, mit allen verfügbaren politischen Mitteln - auch mit schmerzhaften Pönalien, die um so höher sind, je stärker der Verstoß gegen die Quote ist!

Nachtrag

Bei der deutschen Bevölkerung ist die Erkenntnis nur sehr lückenhaft angekommen, dass der motorisierte Individual Verkehr (MIV) eingeschränkt und auf emissionsfreie Fahrzeuge umgestellt werden muss. Die Bevölkerung wird vorwiegend im Sinne der Großindustrie informiert, die ihren Einfluss auf die Medien ganz legal durch Bezahlung teurer Werbeanzeigen ausübt.

Letztes peinliches Beispiel fand sich in DER ZEIT Nr. 38/2017: Drei und eine halbe Seite Werbung für die Luxus Limousine und CO2-Schleuder Audi A8 unter der Überrschrift: "Erkennen Sie die Zukunft, wenn sie vorfährt?" Ein Schelm, wer diese Werbung gedanklich mit dem Inhalt des vorstehend kritisierten redaktionellen Beitrages in Verbindung bringt.



zum Seitenanfang


Dieser Artikel wurde einsortiert unter ....