Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 29.08.2017, aktualisiert am 30.08.2017, Wolf von Fabeck:

Kinderarbeit für Batterien von Elektroautos und Smartphones?

Kommentar zu einem Beitrag der sz (Sächsischen Zeitung) unter der Überschrift "Der Preis des Elektroautos"

Es sind ganz verschiedene Argumentationsebenen, in denen zur Zeit die Diskussionen zum Elektroauto geführt werden:

Ebene 1)   Arbeits- und Umweltsschutz beim Abbau der Bodenschätze für Elektrobatterien

Ebene 2)   Materialauswahl für die Batterietechnik unter dem Gesichtspunkt der Verfügbarkeit

Ebene 3)   Verkehrskonzepte, Notwendigkeit des massenhaften Individualverkehrs?

Ebene 4)   Schutz der Bevölkerung vor giftigen Diesel-Emissionen

Ebene 5)   Entscheidung für die Art der Energieversorgung: Solar? Atomar? Fossil?


Die Unterüberschrift in der Sächsischen Zeitung lautet:

Die Batterieproduktion treibt Kobalt- und Lithiumförderung an. Unklar ist, woher die benötigten Mengen kommen sollen.

Dieser Beitrag von Christian Mihatsch kommt nicht aus der Argumentationsebene 1 heraus. Er schildert die miesen Förderbedingungen für Kobalt in der demokratischen Republik Kongo und legt durch die Wahl der Überschrift "Der Preis des Elektroautos" den Schluss nahe, dass die Ursache für die Ausbeutung der Arbeitskräfte, ja sogar Ursache für die Kinderarbeit(!) das Elektroauto sei. Höhepunkt seiner verallgemeinernden Argumentation wörtlich:

Ein weiteres Problem ist Kinderarbeit im Kleinbergbau, aus dem rund ein Fünftel der kongolesischen Kobaltproduktion stammt. Mark Dummett von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International sagte zur Situation im Kongo: „Das glamouröse Marketing neuester Technologien steht im Kontrast zu Kindern, die Säcke voller Steine schleppen, und zu Bergleuten, die in engen Tunneln schwere Lungenschäden riskieren.“

Diese brutale Ausbeutung, diesen Missbrauch menschlicher Arbeitskraft lehnen wir alle ab. Aber diese und ähnliche Missstände kommen nicht nur in der Produktionskette des Elektroautos vor. Die Regierung des Kongo ist generell nicht willens die Kinder ihres Landes zu schützen. So lange Kinderarbeit in Ländern wie dem Kongo nicht verboten ist, so lange werden dort die Kinder armer Menschen in gefährlicher und zermürbender Arbeit ausgenutzt. Kinder die keine Arbeit im Kleinbergbau finden, werden auch in anderen Betrieben ausgebeutet oder sogar als Kindersoldaten eingezogen. Wir können diesen Kindesmissbrauch jedoch nicht dadurch beenden, dass wir auf Elektrofahrzeuge verzichten und weiter unzureichend entgiftete Dieselfahrzeuge nutzen, die außerdem noch das Klima schädigen.
Wir fordern vielmehr, dass der Kongo in Befolgung der UN-Kinderrechtskonvention Kinderarbeit verbietet und Arbeitsplatzschutzgesetze erlässt, die den Abbau von Kobalt (und anderen Bodenschätzen) so sicher machen, wie er im deutschen Bergbau wäre. Die sich daraus ergebenden Mehrkosten für Kobalt und Lithium würden wir bezahlen.

Diese Mehrkosten wären ein zusätzlicher Anreiz für die Hersteller von Elektrobatterien, ihre Forschungsanstrengungen auf andere Anoden- und Kathodenelemente auszuweiten. Und damit wären wir nun eine Argumentationsebene weiter - in Argumentationsebene 2. Die Batterieentwicklung ist noch lange nicht am Ende. Der wirtschaftliche Druck wird die Entwicklung weiter voranbringen, wenn das Ziel und die Rahmenbedingungen stimmen.

Die weitere Diskussion muss uns deshalb in die Argumentationsebenen 3, 4 und 5 führen. Dazu ist ein weiterer SFV-Beitrag vorgesehen.



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