Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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vom 01.03.2017, aktualisiert am 02.03.2017, SFV:

Atomgefahr aus Belgien - Offener Brief an Hannelore Kraft und Johannes Remmel NRW-Regierung

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, sehr geehrter Herr Minister,

Anlass für diesen Brief ist das jüngst im Auftrag des Umweltministeriums erstellte Gutachten des Büros für Energiewirtschaft und technische Planung GmbH (BET) und des Instituts für Elektrische Anlagen und Energiewirtschaft der RWTH Aachen Diskussionsbeitrag zur Stromversorgung Belgiens im Falle eines Atomausstieges.

Dieses Gutachten schlägt energietechnische Maßnahmen vor, die die aktuelle Gefahr eines Super-GAUs in den Kraftwerksblöcken Tihange 2 und Doel 3 nicht beseitigen.
Hier wird grob fahrlässig die Bevölkerung einer dicht besiedelten Region in Gefahr gebracht und deshalb liegt nach unserer Beurteilung eine Notwehrsituation vor, die schärfsten politischen Druck rechtfertigt.
Sanktionen jeder Art wären unseres Erachtens notwendig und zulässig, z.B. die Verantwortlichen der belgischen Atomaufsicht zur „persona non grata“ erklären, Anrufung des UN-Sicherheitsrates, internationale Verweigerung der vertraglich zugesagten Lieferungen von Kernbrennstäben nach Belgien.

Der in dem eingangs erwähnten Gutachten vorgeschlagene Bau von 2 Stromleitungen steht hingegen außerhalb jeder Diskussion. Tihange 2 und Doel 3 müssen und können sofort stillgelegt werden! Sie waren ja bereits über einen Zeitraum von vielen Monaten abgeschaltet, ohne dass es in Belgien zu Versorgungsengpässen gekommen wäre. Aber selbst wenn sich daraus ernsthafte Versorgungsengpässe in der belgischen Stromversorgung ergeben würden, selbst wenn es bisweilen in den verbrauchsintensiven Mittags- und Abendstunden zu vorübergehenden Stromabschaltungen bei weniger lebenswichtigen Verbrauchseinrichtungen kommen würde, so ist das immer noch eher zu verantworten, als ein jahrelanges Warten auf die Fertigstellung von ein oder zwei zusätzlichen Stromleitungen unter dem Damoklesschwert eines Super-GAUs.

Soweit sich die Aktivitäten des Landes NRW nur gegen den Weiterbetrieb der beiden Reaktorblöcke mit irreparablen schweren technischen Mängeln richten, nicht aber gegen die übrigen belgischen AKWs, würden Ihnen die besonnenen Anhänger der Atom-Technik sogar zustimmen, die ein Versagen „ihrer Technik“ ebenfalls fürchten.

Widerstand kommt aber zwangsläufig auf, wenn das Gutachten den Eindruck vermittelt, dass das Braunkohleland NRW die Angelegenheit dazu nutzt, die belgische Atomenergie durch Stromlieferungen aus Deutschland zu ersetzen, wobei doch bekannt ist, dass der deutsche Strommix noch immer zu einem hohen Prozentsatz aus Fossilstrom besteht, dessen Erzeugung das Klima weiter schädigt. Die von BET vorgeschlagene Erhöhung des Anteils an Erneuerbaren Energien ist zahlenmäßig bei weitem nicht ausreichend.

Wir begrüßen dagegen die neue Zielvorgabe für NRW, die wir aus der Internetseite des Umweltministeriums entnehmen konnten, wonach die Landesregierung bis 2020 einen Anteil der Windenergie an der Stromversorgung von 15 % erreichen will. Das bedeutet 12.650 MW Zubau oder 4.200 MW pro Jahr. Gegenüber dem derzeitigen Tempo von 550 MW im Jahr 2016 wäre das ein fast achtmal höheres Tempo. Wir begrüßen diese Zielvorgabe, aber wir vermissen noch die notwendigen wirtschaftlichen Anreize und Fördermaßnahmen - insbesondere auch Anreize und Fördermaßnahmen zum Bau von modernen Langzeitspeichern nach dem Power to Gas oder Power to Liquid -System.

Was die beiden belgischen Risse-Reaktoren anbelangt, so bitten wir insbesondere Sie, Frau Ministerpräsidentin Kraft, dringlich darum, bei der Bundesregierung alle völkerrechtsmäßig zulässigen Maßnahmen zur sofortigen und endgültigen Stilllegung einzufordern. Wir haben den Eindruck, dass die Bundesregierung die Angelegenheit nicht ernst genug nimmt.


Mit freundlichen Grüßen
Im Namen des Vorstandes

Dipl.-Ing. Wolf von Fabeck

  • Geschäftsführer -



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