Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. (SFV)

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29.05.2007, Wolf von Fabeck:

Wirtschaftswachstum und Klimaschutz
durch 100% ErneuerbareEnergien

Globale Herausforderung - Nationale Lösung
Eine Darstellung der Zusammenhänge zwischen verschiedenen Problemfeldern

 

Erleichterung! Die Zahl der Arbeitslosen nimmt ab. Das alte Rezept der Volkswirtschaft hat sich scheinbar wieder bewährt: Wirtschaftswachstum schafft neue Arbeitsplätze.

Allerdings hat dieses Rezept unerwünschte Nebenwirkungen. Und damit kommen wir auf ein Thema, das von jetzt an nicht mehr aus den Schlagzeilen verschwinden wird: Die sich abzeichnende Klimakatastrophe.

Wirtschaftswachstum erhöht den Ausstoß des Klimagases CO2. Nach einer Pressemitteilung des Umweltbundesamtes vom 30.03.2007 hat das deutsche Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahres (2006) zu einem Anstieg der CO2-Emissionen um 0,6 Prozent geführt. Für das laufende Jahr (2007) prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) einen Anstieg sogar um 1 Prozent.

Hier müssten nun sämtliche Alarmglocken schrillen, denn nach den offiziellen Planungen der Bundesregierung sollte der CO2-Ausstoß eigentlich Jahr für Jahr GESENKT werden. Doch in der Medienlandschaft bleibt es merkwürdig still. Der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Klimakatastrophe ist ein Tabu-Thema.

Die Teilnehmer am Wirtschaftsleben sehen natürlich den Zusammenhang. Sie halten ihn jedoch für unabänderlich und wollen genau deshalb keine Konsequenzen ziehen. Wenn man sich nur durch Verzicht gegen den Klimawandel zur Wehr setzen kann, möchte man doch noch rasch vorher einen kleinen Anteil vom globalen Wirtschaftswachstum in die eigene Tasche leiten. Die zunehmende Verwendung des verharmlosenden Wortes "Klimawandel" statt "Klimakatastrophe", die hektische Zunahme der Spekulationen mit Aktien und Optionsscheinen, das wachsende Handelsvolumen an den Börsen und die zunehmenden Radio-Sendezeiten für den täglichen Börsenbericht sind dafür ein Indiz - Gewinne machen als Volkssport der Intelligenten und der Wohlhabenden wie früher Lotto und Toto. Der Hinweis auf die angebliche Notwendigkeit des Wirtschaftswachstums zur Verminderung der Massenarbeitslosigkeit oder der (berechtigte) Hinweis, man dürfe den unterentwickelten Staaten weiteres Wirtschaftswachstum nicht versagen, sind dann nur noch eine reflexartige Reaktion, mit der weiteres Nachdenken über den Sinn des Wirtschaftswachstums verhindert werden soll. Man will sich das Spiel nicht verderben lassen.

Die Teilnehmer am globalen Gewinnspiel treiben die notwendigen Analysen und Reformen nicht voran; im Gegenteil sie verhindern sie! Sie verhalten sich wie Plünderer, die aus einem brennenden Haus die Wertgegenstände herausschleppen, und dabei noch die Löscharbeiten behindern, bis das Haus über ihnen selbst zusammenstürzt.

Wirtschaftswachstum also um jeden Preis, auch um den Preis des eigenen Untergangs?

Der Sammeltrieb ist dem Menschen im Laufe der Entwicklungsgeschichte angeboren. Er war die Voraussetzung für das Überleben der Spezies in Notzeiten. Seine moderne Variante, die Gewinnsucht, lässt sich nicht durch moralische Appelle ab-erziehen. Wenn aber das Wirtschaftswachstum schon nicht aufgehalten werden kann - aus bestimmten Gründen vielleicht noch nicht einmal aufgehalten werden sollte - dann muss es mit höchster Dringlichkeit vom CO2-Ausstoß entkoppelt werden. Es genügt dabei nicht - wie häufig zu lesen - den CO2-Ausstoß zu stabilisieren oder zu reduzieren, sondern er muss aus Klimaschutzgründen sogar auf Null zurückgeführt werden. Ob und wie diese Aufgabe zu lösen ist, darum geht es heute und in Zukunft.

Derzeit ist unser größter Feind die Hoffnungslosigkeit angesichts des Umfangs der notwendigen Veränderungen. Doch der Fall ist nicht hoffnungslos. Weltweites Wirtschaftswachstum, Verbesserung der Bildungschancen, Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit und Bekämpfung der Klimakatastrophe sind vereinbar. Eine entschlossene Politik kann sehr wohl die Dinge ins rechte Lot bringen, wenn sie die Rahmenbedingungen ändert. Und der Anstoß dazu kann durchaus im nationalen Alleingang erfolgen. Um dies zu zeigen, behandeln wir folgende Themen:

  1. Die Bedrohung durch den Klimawandel und seine Unumkehrbarkeit
    (Dieser Abschnitt beinhaltet auch eine Überarbeitung des älteren Artikels "Überleben mit Erneuerbaren Energien")
  2. Die Notwendigkeit des Umstiegs auf Erneuerbare Energien - Der Irrweg internationaler Absprachen
  3. 100% Erneuerbare im nationalen Rahmen - Warum es nicht weniger  sein darf
  4. Weltweites Wirtschaftswachstum, Verbesserung der Bildungschancen, Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit und Bekämpfung der Klimakatastrophe sind vereinbar
  5. Maßnahmen- und Forderungskatalog

 

1. Die Bedrohung durch den Klimawandel und seine Unumkehrbarkeit

Die aktuelle Gefährdung durch den Klimawandel liegt derzeit in der Zunahme der Wetterextreme.
Die höchsten auftretenden Windgeschwindigkeiten erreichen immer neue Rekorde. Die zerstörende Kraft nimmt mit der zweifachen Potenz der Windgeschwindigkeit zu.
Extrem hohe Temperaturen kosten Tausende von Menschenleben, gerade unter den Armen, wie im Rekordsommer 2003 in Frankreich.
Die Niederschläge bleiben länger aus, um dann aber plötzlich mit sintflutartigem Regen das Land zu überschwemmen. Wasserversorgung und Landwirtschaft werden immer weniger planbar. Sind feuchtigkeitsliebende Pflanzen oder Trockenpflanzen die richtige Auswahl für die Zukunft? Eine Einstellung auf den Klimawandel ist kaum möglich.

Wir wollen hier einen besonderen Aspekt des Klimawandels herausgreifen, der oft viel zu wenig beachtet wird. Die weltweite Erwärmung führt dazu, dass Seen, Feuchtgebiete, Sümpfe und Ackerland austrocknen und Gletscher abschmelzen. Das Wasser sammelt sich letztlich in den Ozeanen, deren Wasserspiegel deshalb ansteigt.

Wie langsam oder wie rasch der Meeresspiegel ansteigen wird, darüber sind die Meinungen unter den Klima-Forschern geteilt. Einigkeit besteht allerdings darin, dass es zu einem Anstieg kommen wird. Mit der ausführlichen Behandlung dieses Klimaaspekts soll gezeigt werden, wie schwer oder sogar unmöglich es sein wird, eine bereits in Gang gesetzte Entwicklung anzuhalten oder gar umzukehren. Welche Verantwortung laden wir auf uns, wenn wir uns nicht mit allen Kräften gegen die derzeitige Entwicklung stemmen! Sollen unsere Kinder einmal voller Abscheu an uns denken, weil wir nicht auf die Warnungen der Klimaforscher gehört und die Dinge laufen gelassen haben?

Das Abschmelzen der Eiskappe am Nordpol hat bereits begonnen.

Abschmelzen der Eiskappe am Nordpol

Quellenangabe und Erläuterungen

http://www.cite-sciences.fr/francais/ala_cite/science_actualites/sitesactu/dossier.php?preview=&id_article=7343&id_theme=&textRecherche=&noPage=&prov=&id_dossier=461&tc=QACTU

Wenn große Mengen Schnee oder Eis abschmelzen, fließt das Schmelzwasser letztlich ins Meer und erhöht (minimal) den Meeresspiegel. Wenn das Eis von küstennahen Gletschern stückweise ungeschmolzen ins Meer rutscht, erhöht sich der Meeresspiegel ebenfalls. Wenn aber bereits im Meer schwimmendes Eis schmilzt, steigt der Meeresspiegel dadurch nicht weiter. Das Abschmelzen der schwimmenden Eiskappe über dem nördlichen Eismeer beeinflusst den Meeresspiegel also nicht. Allerdings hat das Abschmelzen eine andere unangenehme Folge: Meereswasser reflektiert die Sonnenstrahlen weniger als das weiße Eis vorher. Die Erwärmung des nördlichen Eismeeres beschleunigt sich deshalb. Bis vor wenigen Jahrzehnten hielt man ein Abschmelzen des "ewigen" Eises am Nordpool noch für undenkbar. Doch immer wieder mussten die Prognosen nachgebessert werden. inzwischen wird angenommen, dass der Nordpol in wenigen Jahrzehnten im Sommer eisfrei sein wird.

Es wird also wärmer im Norden. Schon seit einigen Jahren beginnt im Norden auch das Eis in Grönland (auf den oben gezeigten Satellitenbildern die riesige schneebedeckte Insel rechts von der Bildmitte) zu schmelzen. Anders als die Eiskappe über dem Nordpol handelt es sich beim Grönlandeis nicht um schwimmendes Eis. Würde das Grönlandeis vollständig abschmelzen oder ins Meer rutschen, so würde der Meeresspiegel nach Aussage der IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) weltweit um 6 Meter ansteigen.

Eisschmelze am Südpol

Auch am Südpol wird es wärmer. Messwerte des NASA Satelliten "QuickScat", die keinen Eingang mehr in den Klimabericht 2007 der IPCC finden konnten, ergaben eine ungewöhnlich starke Schneeschmelze im letzten Jahr der Auswertung. Betroffen waren selbst Regionen, in denen die Forscher es nicht für möglich gehalten hätten, etwa auf Bergen über 2000 Metern und nur 500 km vom Südpol entfernt.

Wenn auch nur ein Teil des antarktischen Festlandeises abschmelzen würde, würde der Meeresspiegel um zusätzliche 6 Meter ansteigen. Diese Aussage - die sich auch in dem sehenswerten Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" mit Al Gore findet - scheint so unglaublich, dass wir sie durch eine eigene Überschlagsrechnung überprüfen wollen.
 

Überschlagsrechnung

Zur Orientierung dient eine Karte der Antarktis vom Alfred-Wegener-Institut mit Einzeichnung der Eisdicke. Die Schichtdicke ist in Tausend-Meterschritten mit unterschiedlichen Blautönen angegeben. An der dicksten Stelle im Landesinnern ist das Eis dicker als 4000 Meter. Eine Schichtdicke von über 1000 Meter (hellblau) reicht fast überall bis an die Küste, und an den Rändern steht das Eis weit über - das Schelf-Eis (türkis).
Eisbedeckung der Antarktis
Legende: Dicke Linien: Eisscheide   Dünne Linien: Fließlinien   Rote Bereiche: nicht von Eis bedeckt (2,8 %)  
08.08.2006 Hannes Grobe, Alfred Wegener Institut   Lizenz zur Verwendung dieser Karte

Im Folgenden betrachten wir nicht das schwimmende Schelfeis, dessen Schmelzen den Meeresspiegel nicht weiter erhöhen würde, sondern nur das Festlandeis. Seine durchschnittliche Eisdicke beträgt etwas über 2000 Meter. (Diese Angabe kann man sich selbst bestätigen, indem man gedanklich das Eis überall dort, wo es dicker ist als 2000 Meter, auf die Teile der Antarktis verteilt, die weniger als 2000 Meter dick mit Eis bedeckt sind).

Der antarktische Kontinent ist größer als ganz Europa. Stellen Sie sich also Europa einschließlich Mittelmeer, Nord- und Ostsee unter einer zweitausend Meter dicken Eisschicht vor. Beim Abschmelzen wird die entstehende Wassermenge aufgeteilt auf alle Ozeane und die mit ihnen verbundenen Meere. Deren Grundfläche ist 27 mal so groß wie die Fläche der Antarktis. (Die Grundfläche der Meere beträgt 362 Mio. qkm, die Grundfläche der Antarktis 13,2 Mio. qkm). Würde man die 2000 Meter dicke Eisschicht auf eine Fläche aufteilen, die 27 mal so groß ist, so würde ihre Dicke auf den 27. Teil der ursprünglichen Eisdicke zurückgehen, das sind rund 70 Meter. Und da bei der Umwandlung von Gletschereis in Wasser etwa ein Siebtel des Volumens verloren geht, korrigieren wir die Zahl auf 60 Meter. Der Wasserspiegel würde beim vollständigen Abschmelzen des antarktischen Festlandeises um etwa 60 Meter ansteigen. Soweit unsere Überschlagsrechnung. Nicht berücksichtigt wurde dabei, dass das Meer über die Ufer tritt und seine Oberfläche vergrößert, so dass der Anstieg um wenige Prozent geringer sein wird. Da es hier nur um Größenordnungen geht, ist dies mehr oder weniger belanglos.

 

Wenn nur 10 Prozent des antarktischen Festlandeises ins Meer rutschen, würde der Meeresspiegel um 6 Meter ansteigen.

Zählt man das Schmelzwasser aller Gletscher, Schneegebiete und Sümpfe zusammen, so kommt man nach Aussage des Meteorologen Professor Dr. Hans Joachim Schellnhuber - Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung - sogar zu einem Anstieg von 100 Metern. Hier lauert ein unkalkulierbares Risiko!

Zum Vergleich die niedrigsten Punkte einiger Städte in Metern über Normal Null (NN)

Die Aussage, bis alles weggeschmolzen sei, würden wahrscheinlich noch weit über hundert Jahre oder sogar mehrere tausend Jahre vergehen, kann nicht wirklich beruhigen, denn selbst dann betrüge der Anstieg einige Zentimeter pro Jahr - und das schon wäre für die Bewohner der tiefgelegenen Länder und Städte eine Katastrophe. Und schließlich hinterlassen wir unseren Kindern und Enkeln ein versinkendes Land. Sie werden uns dafür verfluchen!

Manche unserer Mitbürger halten solche Warnungen für "Panikmache". Sie argwöhnen, sie sollten unter dem Eindruck persönlicher Angst zu unbesonnenen Schritten manipuliert werden. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Die ganze Menschheit führt seit zwei Jahrhunderten einen lebensgefährlichen Selbstversuch mit sich und ihrer Mitwelt durch. Gegenstand des Versuchs: Was passiert wohl mit dem Klima, mit den Tieren, den Pflanzen und schließlich mit uns selbst, wenn man die Zusammensetzung der Atmosphäre in einer Weise ändert, wie sie noch nie zuvor verändert worden ist? Versuchsleiter ist die fossile Energiewirtschaft, die von Klimafragen Null Ahnung hat. Klimatologen warnen einhellig vor der Fortsetzung des Selbstversuchs mit dem Hinweis, dass noch lange nicht alle Zusammenhänge zwischen dem CO2-Ausstoß und der Klimaentwicklung erforscht sind. Sie weisen darauf hin, dass es unangenehme Überraschungen geben kann, abrupte Klimaänderungen sogar! Professor Rahmstorf vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung: "Das Klima ist ein unberechenbares wildes Tier, und wir pieksen es mit Stöcken und reizen es".

Wer manipuliert denn hier die Menschheit zu unbesonnenen Schritten: Wir, die sich für den Umstieg auf eine unschädliche und ungefährliche Art der Energiebereitstellung einsetzen oder die Energiewirtschaft, die jeden Ansatz, den gefährlichen Selbstversuch zu beenden, sabotiert?

Unangenehme Überraschung in der Antarktis

Die Vorstellung, die riesigen Eismassen in der Antarktis würden langsam wegschmelzen und abtropfen, führt in die Irre. Gletscher sind nicht starr, sondern bewegen sich langsam. Das Eis fließt - bei Temperaturen weit unter Null - in Zeitlupe dem Meere zu, ähnlich wie zähflüssiger Honig langsam vom Butterbrot herunterläuft. Die Geschwindigkeit der Grönlandgletscher betrug in Küstennähe etwa 14 km pro Jahr. An manchen Stellen wird sie gebremst durch das vorgelagerte Schelfeis.
Auf der oben gezeigten Karte sind die "Fließlinien" eingezeichnet, die die Richtung angeben, in denen sich die Eismassen bewegen. Und es sind die "Eisscheiden" eingezeichnet, die die Eisgebiete voneinander abtrennen, je nachdem, ob sie in den Atlantischen, den Indischen oder den Pazifischen Ozean fließen.

Noch im Jahr 2004 äußerte Prof. Dr. Rahmstorf in einer Auseinandersetzung mit den Klimaskeptikern   "(...) die Gletscher schmelzen dort ohnehin nicht, sondern fließen bis ins Meer (...)." Nur drei Jahre später 2007 veröffentlicht die NASA die oben erwähnten Satellitenaufnahmen, die zur Überraschung der Forschergemeinde das Abschmelzen der Gletscher dokumentieren.

Al Gore weist in seinem Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" auf folgenden Effekt hin: Die Durchschnittstemperaturen der Antarktis liegen zwar weit unter Null. Aber im Sommer steigen die Mittagstemperaturen an wenigen Tagen über Null. Eine geringe Anhebung der Durchschnittstemperatur bedeutet, dass die Zahl der Tage mit Temperaturen über Null erheblich zunimmt. Dann bildet sich Schmelzwasser. Es sammelt sich in Eisseen auf der Gletscheroberfläche. Diese Seen sehen im Luftbild dunkel aus, d.h. die Reflexion des Sonnenlichtes ist dort geringer als an der blendend weißen Oberfläche des Eises. Entsprechend mehr Strahlung der Sonne nehmen diese Schmelzwasserseen auf. Sie werden deshalb noch wärmer und schmelzen sich bis zur Unterseite des Gletschers durch. Dort wirkt ihr Wasser wie ein Schmiermittel, das die Reibung zwischen dem Gletscher und dem Untergrund vermindert, wodurch sich die Fließgeschwindigkeit des Gletschers beschleunigt.

Ein weiter beschleunigender Effekt: Wenn das Wasser im Winter in den nach unten führenden Spalten wieder gefriert, dehnt es sich aus und sprengt den Gletscher wie ein Keil. Riesige Stücke brechen weg und rutschen als Eisberge ins Meer. Die Gletscher "kalben". Im März 2000 wurde ein Eisberg mit Abmessungen von 170 km x 40 km Ausdehnung gesichtet und über mehrere Jahre hinweg beobachtet. http://www.vistaverde.de/news/Wissenschaft/0202/15_eisberg.htm oder http://www.3sat.de/3sat.php?http://www.3sat.de/nano/news/77969/index.html . Selbstverständlich steigt der Meeresspiegel auch an, wenn das Eis nicht sofort schmilzt, sondern ungeschmolzen ins Meer rutscht.

Die landläufige Vorstellung, die Temperaturen brauchten nur wieder zu sinken und dann würde der alte Zustand wieder zurückkehren, ist leider nicht zutreffend. Die Antarktis zählt - bezüglich der Niederschläge - zu den Wüsten. Es fällt dort weniger Niederschlag als in der Sahara. Es würde Zehn- oder Hunderttausende von Jahren dauern, bis der Eispanzer Millimeter um Millimeter, Zentimeter um Zentimeter wieder die ursprüngliche Dicke erreicht.

 

2. Die Notwendigkeit des Umstiegs auf Erneuerbare Energien

Unzureichende Maßnahmen gegen den Klimawandel

Schon jetzt ist die globale Temperatur seit Beginn der Industrialisierung um ein knappes Grad Celsius angestiegen. Die Folgen sind schon jetzt schrecklich.

Die in der Politik gängige Vorstellung, man könne insgesamt einen Temperaturanstieg von jetzt noch einem weiteren Grad zulassen, ist absurd. Denn schon jetzt ist es zu warm; Katrina und Kyrill geschehen ja schon heute und das Abtauen der Gletscher hat längst begonnen. WEIL es zu warm ist! Die Temperatur muss deshalb GESENKT werden.

Die Mehrheit der Staatengemeinschaft hat in Kyoto eine schrittweise Verringerung des Klimagasausstoßes beschlossen. Der Gesamtausstoß an CO2 soll gegenüber dem Bezugsjahr 1990 um 5,2 Prozent vermindert werden. Das bedeutet, dass der Ausstoß an CO2 auf einen Wert zurückgefahren werden soll, der etwa dem Ausstoß im Jahr 1983 entspricht.

Aber genügt das denn? Gab es im Jahr 1983 etwa noch keinen Temperaturanstieg? Weit gefehlt: Bereits im Jahr 1983 stiegen der CO2-Gehalt der Atmosphäre und die globale Temperatur an. Es ist überhaupt nicht ersichtlich, wieso das diesmal anders sein sollte, wenn man beim CO2-Ausstoß wieder die damaligen Verhältnisse einführt. Die Voraussetzungen sind diesmal doch noch viel ungünstiger. Die Zahl der Tropenwälder hat sich seitdem verringert, die Wüsten haben sich ausgedehnt. Der CO2-Gehalt der Ozeane ist höher als damals. Ihre Temperatur ist höher, ihre Aufnahmefähigkeit für weiteres CO2 ist deswegen reduziert.

Die Kyotovereinbarungen sind absolut ungenügend. Die Entschuldigung, mehr sei politisch nicht zu erreichen gewesen, zieht nicht. Wer auf das Kyotoprotokoll pocht, vergeudet vielmehr Zeit und Energie damit, dass er in Richtung eines Strohhalms schwimmt, der uns nicht vor dem Ertrinken bewahren kann.

Die Welt rast mit Vollgas auf den Abgrund zu und was haben die Staaten beschlossen? Man soll etwas weniger Vollgas geben. Die Kyoto-Vereinbarungen geben sogar noch wirtschaftliche Anreize für den Bau neuer (ein bisschen effektiverer) Kohlekraftwerke, unglaublich!

Wenn sich ein Abgrund auftut, hilft nur noch eines: Sofortige Vollbremsung!

Vollbremsung beim CO2-Ausstoß bedeutet Stopp mit der fossilen Verbrennung und Umstieg auf die Erneuerbaren Energien so rasch wie möglich.

Darüber hinaus müssen - wenn der Umstieg auf Erneuerbare Energien erst einmal gelungen ist - möglicherweise sogar noch Maßnahmen ergriffen werden, um CO2 wieder aus der Atmosphäre zurückzuholen und chemisch dauerhaft zu binden

 

3. Die Möglichkeit von 100% Erneuerbaren im nationalen Rahmen
Der Irrweg internationaler Absprachen

Die Umstellung auf die Erneuerbaren Energien muss weltweit erfolgen - eine Randbedingung, die jeden Gedanken an eine Umsetzung gemeinhin als unrealistisch erscheinen lässt. Wie können wir die anderen überzeugen, dass sie mitmachen müssen? Doch schon die Fragestellung lässt erkennen, wie betriebsblind uns die jahrelange Beschäftigung mit dem Kyoto-Gedanken gemacht hat, die Lasten der Umstellung müssten gemeinsam geschultert werden. Seit wann ist denn die Einführung einer modernen Technik eine Last? Und ist es notwendig, dass eine neue Technik im Einvernehmen zwischen den Nationen eingeführt wird?

Ein nationaler oder europäischer Alleingang kann den weltweiten Anstoß geben.

Wir sind auf dem besten Wege, BEI UNS im Land die neuen Techniken mit Hilfe des Erneuerbare-Energien- Gesetzes zur Marktreife zu bringen. Gesetzliche Verbesserungen können die Entwicklung sogar noch beschleunigen! Noch ist Strom aus Erneuerbaren Energien etwas teurer in der Herstellung. Den höheren Kosten steht jedoch die Schaffung zukunftsfähiger neuer Arbeitsplätze gegenüber.

Das ängstliche Schielen darauf, ob andere Staaten einen ähnlichen Beitrag zum Klimaschutz erbringen, ist auch in industriepolitischer Sicht unsinnig, fast sogar lächerlich: Wann hat jemals ein Land die Entwicklung neuer Produkte davon abhängig gemacht, ob die anderen Länder einen „angemessenen Anteil“ beitragen? Hat Henry Ford darauf gewartet, dass in Deutschland das Automobil in die Massenproduktion kam? Soll sich vielleicht der deutsche Windanlagenbauer Enercon zurückhalten, weil andere Länder keinen Anteil an der Windradproduktion aufweisen?

Mit Hilfe der Erneuerbaren Energien werden in Deutschland schon jetzt 13 Prozent des Strombedarfs CO2-frei erzeugt und die Menge der installierten Anlagen steigt ständig. Im Januar 2007 - einem windreichen Monat - waren es nach einer Mitteilung der DGS Brandenburg sogar schon 28 % des Strombedarfs. Die Massenproduktion senkt laufend die Kosten. In wenigen Jahren kann Strom aus solchen Anlagen billiger sein als Strom aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dann wird man weltweit - schon aus Preisgründen - lieber Solaranlagen, Windanlagen, Biogaskleinkraftwerke und Stromspeicher einkaufen als Dieselgeneratoren oder Kohlekraftwerke.

Merkwürdig, dass viele Menschen noch immer nicht die wirtschaftlichen Chancen begriffen haben, die - auch im Klimaschutz - demjenigen winken, der mit seinen Produkten früher die Marktreife erreicht und den Weltmarkt erobert.

Mächtiger Gegner im eigenen Land

Wir haben allerdings einen mächtigen Gegner im eigenen Land, nämlich die Energiewirtschaft. Die millionenfache Initiative engagierter Bürger, die durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz ermutigt, selber in Energieerzeugungsanlagen auf ihren Privatgrundstücken investieren, ist der Energiewirtschaft ein Dorn im Auge. Sie hintertreibt die Markteinführung der Erneuerbaren Energien mit allen Mitteln. Sie jammert - oder besser gesagt, sie lässt jammern - dass Windräder die Landschaft "verspargeln" - so als wären die Braunkohlegruben eine Zierde der Landschaft. Sie lässt jammern, wenn bei der Solarenergie Gewinne gemacht werden - so als gäbe es in anderen Zweigen der Energiewirtschaft nicht erheblich höhere Gewinne. Sie beklagt, dass die Gewinne bei der Produktion von Solaranlagen auf Kosten der Verbraucher gemacht werden - so als würden die Gewinne in anderen Zweigen der Energiewirtschaft von einer guten Fee überreicht.

Sie redet insbesondere die Möglichkeiten klein, die die heimischen Erneuerbaren Energien bieten und verbreitet Hoffnungslosigkeit. Sonne müsse man dort ernten, wo die Sonne scheint, nämlich in der Sahara oder in Südspanien, aber doch nicht bei uns. Und Wind müsse man an den Küsten des Atlantik oder offshore in der Nordsee nutzen, dort, wo der Wind richtig und gleichmäßig bläst. Aber doch nicht bei uns! Und sie findet immer wieder geneigte Zuhörer.

Leider hat die Vorstellung, man könne auf Kohle, Erdöl, Erdgas und Atom nicht verzichten, durch ständige Wiederholung den Rang eines Paradigmas erreicht. Selbst die meisten Umweltverbände trauen sich nicht, den vollständigen Umstieg auf Erneuerbare zu fordern. Sie fürchten um ihre Seriosität, wenn sie 100% fordern. Es fehlt ihnen an technischen Kenntnissen, um die Diskussion mit den "Experten" der Energiewirtschaft aufzunehmen. So fordern sie irgendwelche Prozentsätze an Erneuerbare Energien bis irgendwann und schweigen dazu, woher die restlichen - an hundert Prozent fehlenden - Energiemengen kommen sollen. Dies hört sich dann für den aufmerksamen Zuhörer an wie ein verschämtes Eingeständnis, dass man die verbleibenden Prozent eben doch mit Kohle oder Gas oder Öl oder Atom decken müsse.

Für Zweifler und Verzweifelte haben wir deshalb die Möglichkeit eines vollständigen Umstiegs im nationalen Rahmen auf Erneuerbare Energien in einem Vortrag ausgearbeitet, der im Internet anzusehen ist http://www.sfv.de/artikel/2007/powerpo.htm. Außerdem haben wir die Möglichkeit dazu ganz kurz und anschaulich auf unserem Flyer 100 % dargestellt http://www.sfv.de/artikel/2007/flyer_da.htm

Die Beschränkung der Argumentation auf unser eigenes Land hat drei wichtige Vorteile.

  • Erstens: Wir und unsere Leser kennen uns hier aus und können die Plausibilität der Annahmen besser überprüfen.
  • Zweitens: Wenn man den Nachweis erbringt, dass die Umstellung in demjenigen Land möglich ist, bei welchem die Bedingungen besonders ungünstig sind, hat man gleichzeitig den Nachweis erbracht, dass die Umstellung weltweit möglich ist. Und warum sind die Bedingungen in Deutschland so ungünstig?
    Die Bedingungen sind umso günstiger, je größer die Bodenfläche im Vergleich zum Energieverbrauch eines Landes ist. Das rührt daher, dass die Erneuerbaren Energien auf großen Flächen "geerntet" werden müssen. Deutschland weist ein besonders ungünstiges Verhältnis der Bodenfläche zum Energieverbrauch auf; das drittschlechteste weltweit. Nur in Japan ist es noch etwas ungünstiger und in den Niederlanden. Wenn wir es in Deutschland schaffen, können es die anderen ebenfalls schaffen.
  • Drittens: Wir wollen ohnehin zuerst mit dem eigenen Land anfangen, weil diese Vorgehensweise die größten Erfolgsaussichten bietet.

Eine nationale Anstrengung ist nur möglich, wenn die Überzeugung herrscht, sie sei zu bewältigen. Eine Fußballmannschaft, die mutlos in ein Endspiel geht, wird mit Sicherheit verlieren. Ein bekannter Bundestagsabgeordneter meinte kürzlich: Wie sollen wir die 100% Erneuerbare Energien gegenüber unseren Parteifreunden vertreten, wenn nicht einmal Greenpeace diese Forderung stellt. Deshalb ist es so wichtig, dass die Umweltverbände mitmachen. Jeder unserer Leser, der Verbindungen zu einem Umweltverband hat, sollte diesen auffordern, sich an der 100-Prozent-Forderung zu beteiligen.

 

4. Weltweites Wirtschaftswachstum, Verbesserung der Bildungschancen, Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit und Bekämpfung der Klimakatastrophe sind vereinbar

Die Umstellung auf Erneuerbare Energien wird sicherlich erleichtert, wenn weniger Energie verschwendet wird. Doch wie soll man das erreichen?
Seit der ersten Ölkrise werden die Menschen über die Notwendigkeit des Energieparens "aufgeklärt". Der Erfolg solcher Aufklärungsmaßnahmen und -Appelle ist allerdings nur bescheiden. Der Grund? Steigerung der Energieeffizienz verlangt eigene Anstrengungen, die sich finanziell kaum lohnen.
Wer zum Beispiel 10 Prozent seines Stromverbrauchs einspart, zahlt etwa drei Euro weniger bei der monatlichen Stromrechnung. (Na und?)
Wer auf das sonntägliche Brötchenholen mit dem Auto verzichtet, spart im Monat einen Euro an den Benzinkosten. (Und dafür an vier Sonntagen eine halbe Stunde früher aufstehen?)
Appelle sprechen nur wenige Idealisten an. Die Energiesparapostel scheitern aber immer wieder bei dem Versuch, das marktwirtschaftliche Verhalten der Mehrheit zu verändern. Sie scheitern, weil sie dabei die marktwirtschaftlichen Grundregeln nicht beachten: Die Mehrheit geht sparsam nur mit solchen Dingen um, die kostbar sind, d. h. die teuer sind! Energie wird verschwendet, weil sie zu billig ist! Energie muss deshalb teurer werden, fühlbar teurer!

Der Solarenergie-Förderverein Deutschland schlägt vor, die Energie stärker zu besteuern. Die Steuereinnahmen, soweit sie aus dem Bereich der Wirtschaft stammen, sollen zur Abschaffung des Arbeitgeberanteils der Sozialbeiträge genutzt werden. Die Steuereinnahmen, soweit sie aus dem privaten Energieverbrauch herrühren, sollen zur Auszahlung eines - für alle gleichen - monatlichen Energiegeldes von 100 Euro verwendet werden, mit dem die sozialen Mehrbelastungen ausgeglichen werden.

Hier interessiert zunächst der erste Teil des Vorschlags. Ihm liegen folgende Gedanken zugrunde.
Die Wirtschaft sollte nicht vorwiegend mit dem Einsatz von Energie Gewinne machen. Es wäre besser, sie würde mit dem Einsatz von Personal Gewinne machen. Dazu müssen aber die exorbitanten Personalnebenkosten verringert werden. Gewinne würden dann in solchen Unternehmen entstehen, die die besonderen Stärken von Personal nutzen. (Gut ausgebildetes) Personal hat gegenüber Automaten und Computern viele Vorteile: Es kann zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen, kann komplexe Entscheidungen treffen, kann Erfindungen machen, kann Nachwuchs ausbilden, kann in unerwarteten Situationen menschlich reagieren, kann beraten. . .
Zwei Beispiele für viele: Wenn heute ein technisches Gerät wegen eines Defektes ausfällt, wird ein neues Gerät angeschafft. Das alte landet auf dem Schrott und seine Einzelteile werden im günstigsten Fall recycelt. Das gilt als modernes Verfahren und beruhigt das ökologische Gewissen. Recycling allerdings ist ein energieaufwendiger Vorgang, den man vermeiden könnte, wenn das defekte Gerät repariert würde. Eine gut geführte Reparaturwerkstatt mit gut ausgebildeten Handwerkern könnte die Aufgabe leisten.
Nun das zweite Beispiel: Wegen der hohen Personalnebenkosten muss auch in der Landwirtschaft Personal gespart werden. Konventionell wirtschaftende Landwirte setzen energiefressende Großmaschinen und energieaufwändig hergestellten Kunstdünger ein. Ökolandbau braucht weniger Energie, dafür aber mehr Personal. Würden die Energiekosten erhöht und die Personalkosten verringert, so hätte der Ökolandbau bessere Gewinnaussichten. Er würde aufblühen und es würde in der Landwirtschaft weniger Energie verbraucht.

Wachsender Personalbedarf auf geistigem Gebiet verlangt nach Neueinstellungen - so könnte die Arbeitslosigkeit abgebaut werden

Die Erledigung technischer Aufgaben wird bekanntlich von Jahr zu Jahr durch energiegetriebene Automaten erleichtert - der sogenannte technische Fortschritt. Deshalb wird dort laufend weniger Personal benötigt und dort werden die großen Gewinne gemacht.
Zur Lösung geistiger Aufgaben wird Personal benötigt. Dort lassen sich jedoch wegen der hohen Personalnebenkosten keine Gewinne machen und Kapitalgeber interessieren sich nicht für diese Wirtschaftszweige. So kommt es zur Massenarbeitslosigkeit.
Weniger bekannt ist, dass auf geistigem Gebiet sogar ein ständig wachsender Bedarf an Arbeitsstellen vorliegt, der aber wegen zu hoher Personalnebenkosten schon lange nicht mehr gedeckt werden kann.
 
Selbst Wirtschaftswissenschaftler sind überrascht, dass mit dem Fortschritt auf geistigem Gebiet der Personalbedarf steigt.
 
Die gängige Vorstellung, dass der Fortschritt die Produktionskapazitäten erhöht, gilt also nur für den technischen, nicht aber für den geistigen Fortschritt. Dazu einige Beispiele, in denen zunehmend mehr Personal benötigt wird:
  • Kindern und Jugendlichen eine immer komplizierter werdende Welt erklären
    Dazu braucht man kleinere Klassen und mehr Lehrer
  • Menschen, die sich in den komplizierter werdenden sozialen Verhältnissen nicht zurechtfinden, helfen
    Dazu muss die Zahl der Sozialarbeiter vergrößert werden
  • In immer komplizierteren gesellschaftlichen und rechtlichen Verwicklungen Recht sprechen
    Die Zahl der Richter sowie ihres Hilfspersonals muss vergrößert werden
  • Wissenschaftliche Erkenntnisse am Rande der menschlichen Erkenntnisfähigkeit weiter ausbauen
    Neue Entdeckungen werden nicht mehr von einzelnen Genies, sondern von Forschungsgruppen gemacht
  • Fehlersuche und Fehlerbeseitigung in immer komplizierter werdenden technischen oder wirtschaftlichen Systemen durchführen
    Gründlichere Qualitätskontrollen brauchen mehr Personaleinsatz
  • Vorbeugung gegenüber Sabotageakten an einem immer enger verknüpften und komplizierteren Gemeinwesen gewährleisten
    Zur Bekämpfung der Wirtschaftskriminalität - z.B. auch der Internetkriminalität - braucht es immer mehr und besser ausgebildetes Personal
  • Neue Technische Lösungen in einem durch Patente monopolisierten Wirtschaftsbereich erarbeiten
  • Soziale Gerechtigkeit unter den Bedingungen der Globalisierung gewährleisten
  • Suche nach Lösungen in zunehmend komplizierteren diplomatischen Konflikten

Die hier genannten Aufgaben sind Aufgaben, die die Zukunft unseres Landes betreffen. Sie werden schon lange sträflich vernachlässigt. Dadurch leidet der Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die vom SFV vorgeschlagene Umschichtung der Abgabenlast von der menschlichen Arbeitskraft auf die Energie vermindert nicht nur den Energiebedarf der Wirtschaft und ist deshalb ein Beitrag gegen den Klimawandel, sondern sie erleichtert auch noch die Schaffung neuer Stellen und ist somit ein Beitrag gegen die Massenarbeitslosigkeit.

 

5. Maßnahmen- und Forderungskatalog

Manche von uns können sich noch an das Sonntagsfahrverbot November 1973 anlässlich der ersten Ölkrise erinnern. Die psychologische Wirkung war ungeheuer. Der gesamten Bevölkerung wurde von einem auf den anderen Tag klar, dass die Lage bitter ernst war, und dass die Regierung entschlossen war, die Dinge im Griff zu behalten. Heute ist es anders. Seit Monaten spricht die Regierung von den Gefahren des "Klimawandels" - und tut nichts. So verliert die Regierung das Vertrauen in ihre Handlungsfähigkeit.

Einer der Gründe für das Nichtstun ist die Sorge um das Wirtschaftswachstum - und damit sind wir wieder am Anfang unserer Überlegungen. Die Regierenden wissen nicht, dass man das Wirtschaftswachstum vom CO2-Ausstoß entkoppeln kann. Die Möglichkeit einer Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien ist ihnen fremd.

Die Regierenden könnten es wissen, aber sie wissen es nicht, denn sie vertrauen den Fachleuten der Energiewirtschaft. Dazu ein prominentes Beispiel: 1994 - Angela Merkel war gerade Umweltministerin geworden - erklärte sie öffentlich "Sonne, Wasser oder Wind können auch auf lange Sicht nicht mehr als 4 Prozent unseres Strombedarfs decken". Sie wiederholte damit einen Werbespruch der Stromwirtschaft, der im Vorjahr in den großen Tageszeitungen erschienen war. Heute, da wir jährlich bereits 13 Prozent Strom aus Erneuerbaren im Netz haben, ist ihr Irrtum offenbar - aber was hat sie daraus gelernt?

Ein Dokument der Ziellosigkeit

Es ist keine Äußerung - weder von Bundeskanzlerin Merkel noch von Wirtschaftsminister Glos und noch nicht einmal von Umweltminister Gabriel bekannt, dass man auf 100 Prozent Erneuerbare Energien umstellen kann. Zum Beleg suchen wir die Internetseite des für Erneuerbare Energien zuständigen Umweltministeriums auf.

Auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums ist (Stand 28.05.07) zu den Erneuerbaren Energien folgende Aussage zu lesen:
 

Kurzinfo Erneuerbare Energien

(...)

Ziele

Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Bruttostromverbrauch soll im Jahr 2010 mindestens 12,5 % betragen. Als mittelfristiges Ziel hat die Bundesregierung vorgesehen, den Anteil der Erneuerbaren Energien an der Strombereitstellung bis 2020 auf mindestens 20 % und am Primärenergieverbrauch auf mindestens 10 % zu steigern.

Langfristig, d.h. bis Mitte dieses Jahrhunderts, soll rund die Hälfte der Energieversorgung mit Erneuerbaren Energien bestritten werden.

Dazu ein kurzer Kommentar des SFV: Erstens sind wir schon heute weiter als die Bundesregierung erst für 2010 vorsieht. Zweitens aber - und das ist das Entscheidende - ist überhaupt nicht erkennbar, was auf lange Sicht geschehen soll. 50 Prozent Erneuerbare Energien bis 2050 - und die übrigen 50 Prozent? Und dann?

Angesichts dieser regierungsamtlichen Mut- und Ziellosigkeit ist die Diskussion von anderen - an und für sich richtigen - ergänzenden wirtschaftspolitischen Forderungen so schrecklich mühsam. Alle Forderungen zum Klimaschutz sollten deshalb ausdrücklich unter die wichtigste aller Forderungen gestellt werden - den vollständigen Umstieg auf die Erneuerbaren Energien.
Es gilt, einem neuen Paradigma zur Geltung zu verhelfen:

Die rasche Umstellung der Energieversorgung zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien ist möglich.


Quellen

Pressemitteilung des Umweltbundesamtes vom 30.03.2007: Das deutsche Wirtschaftswachstum des vergangenen Jahres 2006 in Höhe von 2,5 Prozent hat zu einem Anstieg der CO2-Emissionen um 0,6 Prozent geführt.

 

 

 

 

 

 

Für das laufende Jahr 2007 prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nach Meldung der Berliner Zeitung vom 28.04.07 einen Anstieg um 1 Prozent.

 

 

 

 

 

 

Rio de Janeiro 1 Meter, Bangkok 2 Meter, Dublin 2 Meter, Sydney 3 Meter, Shanghai 3 Meter, Bremen 3 Meter, Hamburg 3 Meter, Kopenhagen 4 Meter, Oldenburg 4 Meter, San Franzisko 5 Meter, Singapur 7 Meter, Lübeck 9 Meter, New York 9 Meter, Lüneburg 10 Meter, Kapstadt 11 Meter, Kalkutta 13 Meter, Athen 15 Meter, Rom 17 Meter, London 20 Meter, Buenos Aires 20 Meter, Kairo 23 Meter, Oslo 30 Meter, Berlin 32 Meter, Duisburg, 33 Meter, Paris 35 Meter, Tokyo 36 Meter, Köln 37 Meter, Schwerin 38 Meter, Istanbul 40 Meter, Münster 43 Meter, Magdeburg 44 Meter, Ottawa 47 Meter, Kyoto 53 Meter, Hannover 53 Meter, Brüssel 58 Meter

 

 

 

 

 

 

Unter www.cite-sciences.fr finden Sie zwei Satellitenbilder zum Vergleich. Sie wurden jeweils im Sommer (1979 und 2006) von einem Satelliten aus aufgenommen, der sich zum Aufnahmezeitpunkt gerade über Nordamerika befand. In der Bildmitte befindet sich der Nordpol - bedeckt vom "ewigen" Eis (das leider im Abschmelzen begriffen ist). Rechts vom Nordpol sieht man die riesige Gebirgsinsel Grönland, die fast völlig von Gletschern bedeckt ist. Am unteren Bildrand, besonders des unteren Bildes, erkennt man den Nordrand des nordamerikanischen Kontinents. Der ganze linke und obere Bildteil wird von Nordrussland eingenommen. In der Mitte der oberen Bildhälfte fällt die mit Eis bedeckte sehr lange und schmale russische Halbinsel Nowaja Semlja auf, weiter rechts der Westrand von Norwegen, dann noch weiter rechts Schottland, England und Irland. Zwischen Schottland und Grönland sieht man Island.

Wie stark das Eis wegschmilzt zeigt sich besonders daran, dass im unteren Bild die nordrussische Küstenlinie fast eisfrei ist.

 

 

 

 

 

 

Wenn der Umstieg auf Erneuerbare Energien erst einmal gelungen ist und genügend Überschussenergie zur Verfügung steht, müssen möglicherweise sogar noch Maßnahmen ergriffen werden, um CO2 wieder aus der Atmosphäre zurückzuholen und chemisch dauerhaft zu binden. Das wäre eine energieaufwändige Umkehrung der Ausbeutung der fossilen Bodenschätze - echtes Terraforming, nicht zum Bewohnbar-Machen fremder Planeten, sondern zur Rettung unseres eigenen Planeten. Das wäre dann keine spannende Science-Fiction-Angelegenheit mehr, sonder bittere Notwendigkeit! (Georg Olah - amerikanischer Nobelpreisträger für Chemie, wies kürzlich darauf hin, man könne mit etlichem Energieaufwand aus dem CO2 der Atmosphäre Methanol erzeugen.)

 

 

 

 

  Zur Unterstützung einer schnelleren Umstellung auf 100 Prozent Erneuerbare Energien gibt es eine Fülle administrativer Maßnahmen

  • Erhöhung der Einspeisevergütungen im EEG
  • Keine Genehmigung mehr für neue fossile Kraftwerke
  • Baupflicht für Solaranlagen
  • Pflicht zur Vollwärmedämmung
  • Höchstgrenzen für Energieverbrauch
  • Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 100 km/h
  • vorübergehende Sonntagsfahrverbote
  • Verlagerung der Steuer- und Abgabenlast von der Arbeit auf die Energie bei gleichzeitiger Auszahlung eine Energiegeldes
  • Einführung eines Stromtarifs, der jederzeit von Angebot und Nachfrage bestimmt wird



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